Mögliche Gefahren durch Gärreste aus Biogasanlagen!




  
Gefahren durch Gärreste von BGA's
 
      Alles zu den möglichen Gefahren - Keime - EHEC u.a.
 

Wir sehen vor allem folgende Gefahren: Chronischer Botulismus, EHEC, pflanzliche Krankheitserreger (z.B. Kartoffelkrebs), Antibiotika, Mastitisrisiko durch Gärreste und Grundwasserbelastung durch Nitrate. Diese wollen wir euch nachfolgend mal näher erläutern:

Chronischer Botulismus:

Botulismus ist eine Erkrankung, die durch den Erreger Chlostridium Botulinum verursacht wird. Unter Luftabschluss und bei entsprechenden Temperaturen produziert dieser Erreger ein sehr starkes Gift, welches Nervenschäden und Lähmungserscheinungen auslöst bis hin zum Tod durch Atemlähmung. Diese akute Vergiftung wird meist durch verdorbene Lebensmittel ausgelöst. Der Erreger selbst ist überall in der Umgebung vorhanden und bedeutet keine unmittelbare Gefahr.

Das als chronischer Botulismus bezeichnete Krankheitsbild unterscheidet sich insofern, als das Gift nicht z.B. über Lebensmittel aufgenommen wird, sondern der Erreger sich im Darm einrichtet und von dort sein Gift in den Körper abgibt. Die Symptome dieser schleichenden Vergiftung sind, zumindest am Anfang, eher diffus und führen u.U. erst nach Jahren durch Lähmung des Schluckapparates oder der Atmung zum Tod.

In der Göttinger Erklärung weisen Tierärzte auf den Zusammenhang von Chronischer Botulismus und Biogasanlagen hin und fordern dringend Untersuchungen.

Auszug:"......(...) "Die Häufung der Erkrankungsfälle von chronischem Botulismus bei Tieren und Menschen zwingt uns Tierärzte, die wegen der intensiven Kontakte zum Patienten-Tier während der klinischen Untersuchungen die ersten sind, die sich mit den Erregern infizieren können, darauf aufmerksam zu machen, dass hier eine ständig wachsende Gefahr für unsere Tierbestände, für die Tierhalter und Betreuer, incl. Tiermediziner und die im Umland der mit Gärresten gedüngten Grünland- und Ackerflächen lebenden Menschen entsteht.

Das gesundheitliche Risiko, das von Biogasanlagen ausgeht, muss von den politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen zur Kenntnis genommen werden. Es besteht unbedingter Handlungsbedarf!

Wir Tierärzte fordern Forschungsprojekte, die sich mit diesen Risiken intensiv auseinandersetzen und Vorschläge zur Lösung des Problems erarbeiten......"

Die komplette Göttinger Erklärung finden Sie hier: http://ava1.de/pdf/ava_goettinger_erklaerung.pdf

Hier findet Ihr weitere Artikel und Berichte zum Thema Chronischer Botulismus und Biogas - Anlagen.

EHEC:
Im letzten Jahr gab es die EHEC Infektionswelle. In diesem Zusammenhang wurden auch immer wieder Biogasanlagen als mögliche Quelle genannt. Bis heute kann man diese Möglichkeit nicht ausschließen oder bejahen. Viele Fachleute und Wissenschaftler haben hierzu verschiedene Meinungen. Wir sehen die Argumentationen für eine mögliche Beteiligung als schlüssiger an. Über den folgenden Link gelangt Ihr zu ein paar Artikeln zum Thema: EHEC - Keime in Gärresten aus Biogasanlagen?

Pflanzliche Krankheitserreger:

Können gefährliche pflanzliche Krankheitserreger in Biogasanlagen überleben? Dieser Frage gingen die Projektpartner - Humboldt-Universität zu Berlin, Julius Kühn-Institut, Universität Rostock, Leibniz-Institut für Agrartechnik und die Bioenergie Beratung Bornim in Laborbiogasanlagen nach. Deshalb wurde genau untersucht welchen Einfluss die anaerobe Vergärung in Laborbiogasanlagen auf die Abtötung der Schaderreger hat.

Die Studie kam zu folgendem Ergebnis:

  • Viele Erreger werden nach einer sechsstündigen Inkubation bei 37 Grad Celsius abgetötet.
  • Andere getestete pilzliche Erreger benötigten längere Inkubationszeiten und waren erst nach24 bzw. 138 Stunden komplett abgetötet. Bei den meisten Pathogenen führte die Lagerung der Gärreste zu einer Verringerung der Vermehrungsfähigkeit der Sporen. So wurden nach vierwöchiger Lagerung bei allen getesteten pilzlichen Erregern an Mais und Getreide keine lebensfähigen Schadpilze mehr festgestellt.
  • Auch die bakterielle Ringfäule an Kartoffel, ein weltweit gefürchteter, unter Quarantäne stehender Pilz, wurde untersucht.Zwar ist die wirtschaftliche Bedeutung der Kartoffel als „Nachwachsender Rohstoff“ gering,aber das Risikopotenzial, das von dieser Krankheit ausgeht, ist extrem hoch. Aus den bisherigen Ergebnissen lässt sich nicht ableiten, dass die anaerobe Vergärung einerisikofreie Variante zur Verwertung von Kartoffelpartien ist, die mit der bakteriellen Ringfäule befallen sind. Der Kartoffelkrebs, Synchytrium endobioticum, - ebenfalls unter Quarantäne stehend - wurde selbst nach 138-stündiger Vergärung nicht vollständig inaktiviert. Auch eine anschließende Lagerung der Gärreste brachte keinen 100 %-igen Erfolg im Labor.

Quelle: http://www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Wissenschaft/Koennen-gefaehrliche-pflanzliche-Krankheitserreger-in-Biogasanlagen-ueberleben--_article1283821209.html

Unser Fazit: Pflanzliche Krankheitserreger können in Biogasanlagen überleben.

Mastitisrisiko durch Gärreste:

Ein weiterer Hinweis, das Gärreste problematisch sein können.

Die Verwendung on Gärsubstratresten aus Biogasanlagen als Boxeinstreu kann das Risiko einer Mastitis-Infektion erhöhen. Dies zeigen Untersuchungen der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Die Gärsubstratreste aus Maissilage, Ganzpflanzensilage, Grassilage und Rindergülle aus verschiedenen Biogasanlagen wurden nach der Trocknung mikrobiologisch untersucht.

Das Ergebnis: Alle Proben wiesen bereits im unbenutzten Zustand eine für Einstreu zu hohe Keimzahl auf. Vereinzelt waren die Grenzwerte schon im Ausgangsmaterial überschritten. Daher besteht bei Verwendung von Gärsubstratresten als Einstreu ein erhöhtes Mastitis-Risiko.

Quelle: http://www.topagrar.com/news/Rind-News-Gaerreste-steigern-Mastitis-Risiko-77600.html

Ach so, Mastitis ist eine Euterentzündung durch Bakterien.

Biogasanlagen und Antibiotika-Rückstände in Gärresten:

Wie auch bei anderen Themenschwerpunkten im Bereich der Biogasanlagen sind uns die Österreicher einen Schritt voraus und haben bereits den Einfluss von Arzneimittelwirkstoffen, insbesondere Antibiotika auf Biogasanlagen untersucht.

Dabei sind Sie zu folgenden Ergebnissen gekommen!

Die verbleibenden Gärrückstände enthalten oft hohe Dosen von Antibiotika, belegt eine Studie des Umweltbundesamtes in Wien.

Seit 2007 haben Umweltbundesamt, Österreichische Arzneimittelagentur (AGES) und Universität für Bodenkultur in Labor- und Freilandversuchen die Antibiotika-Belastung der Gülle und der ebenfalls zur Düngung verwendeten Gärrückstände in Biogasanlagen untersucht. Studie wurde in 2010 veröffentlicht.

Nun liegt das Ergebnis vor: Mit bis zu 770 mg Arzneisubstanzen pro Kilo waren die untersuchten Proben belastet. Die Substanzen können sich auch im Boden anreichern. Dann gelangen sie ins Grundwasser und auf diesem Weg in unser Trinkwasser. Auch die Vegetation nimmt die Stoffe auf, „allerdings nur in geringer Konzentration.“ Das Problem sei in Österreich derzeit noch kleiner als etwa in Deutschland oder der Schweiz.

Quelle - Artikel: Nachrichten.at  Link: http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/art4,484635

Komplette Untersuchung (52-Seiten): Umweltbundesamt: Antibiotika und Biogasanlagen – Abbauverhalten und Einfluss auf die Biogasproduktion
 Link: http://www.baufachinformation.de/literatur.jsp?bu=2010119008376

Unser Fazit: Die hohen Werte von Österreich werden wir wahrscheinlich noch toppen können. Die Gefahr der Bildung von Resistenzen (Antibiotika) sehen wir als gegeben an.

Grundwasserbelastung durch Nitrate in Gülle und Gärresten:

Etwa 66 % des Trinkwassers in Deutschland stammt aus dem Grundwasser. Damit ist das Grundwasser der wichtigste Lieferant für unser Trinkwasser.

Da beim Anbau von Mais häufig übermäßig gedüngt wird und bei der Vergärung in Biogasanlagen nur der Kohlenstoff entzogen wird, landen die meisten Teile irgendwann über die Gärreste im Grundwasser. Auf diese Risiken weisen bereits mehrere Wasserverbände hin und schlagen Alarm.

In vielen Gemeinden sind die Grenzwerte von 50 mg NO3-/Liter bereits weit überschritten.

Nitratbelastung des Grundwassers Quelle: wikipedia.de

"....Nitrat (NO3-) ist im Trinkwasser unerwünscht, weil es unter bestimmten Umständen in das gesundheitlich bedenkliche Nitrit umgewandelt wird. Es kann mit sekundären Aminen (Ammoniakbasen), die in der Nahrung vorkommen oder bei der Verdauung entstehen, Nitrosamine bilden. Von diesen zählen einige zu den krebserregenden Stoffen. Um die gesundheitlichen Risiken weitgehend auszuschließen, sollen die Nitratgehalte im Trinkwasser möglichst niedrig sein. Der Grenzwert für den Nitratgehalt im Trinkwasser wurde 1991 mit der EG-Richtlinie 91/676/EWG auf 50 mg NO3-/Liter festgesetzt. Dieser Grenzwert kann bei unsachgemäßer Düngung, insbesondere auf leichten, durchlässigen Böden überschritten werden. Grundwasser enthält von Natur aus meistens weniger als 10 mg NO3-/Liter...."

Über nachfolgenden Link gelangt Ihr zu ein paar Artikel zum Thema Nitratbelastung und deren Gefährlichkeit für die Menschen und insbesondere auch für Säuglinge.

Grundwasserbelastung durch Nitrate